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Fragen & Antworten zu Kobalt-Chrom (CoCr) Legierungen in der Endoprothetik

  1. Welche Implantate sind aus CoCr?
    CoCr Legierungen werden seit den 60er Jahren für den Gelenkersatz angewandt.[i] Schätzungsweise 80% der heute weltweit erhältlichen Implantate für Hüft-, Knie-, Schulter-, Ellenbogen-, Hand-, und Fingergelenke enthalten Komponenten aus CoCr Legierungen.[ii] Allein in Deutschland werden jedes Jahr geschätzte 300.000 endoprothetische Implantate mit CoCr-Komponenten eingesetzt.ii Bereits seit 1962 gilt die Kombination aus Kobalt-Chrom-Molybden (Hüftkopf) und dem Kunststoff Polyethylen auf Pfannenseite als Standard in der Hüftgelenkversorgung.[i]
  2. Woher weiß ich, ob mein Implantat aus CoCr besteht?
    In der Regel ist auf den Implantataufklebern im Endoprothesenpass das Material vermerkt. Die Abkürzung für Kobalt-Chrom ist CoCr. Dieses Material wird bereits seit den 60er Jahren beim Gelenkersatz angewandt.i Studiendaten zeigen, dass durchschnittlich mehr als neun von zehn Hüftsystemen – geschätzte drei Viertel davon enthalten CoCr Komponenten – länger als 10 Jahre im Körper verweilen, ohne ausgetauscht werden zu müssen.[iii],[iv]
  3. Wie sicher sind Hüftköpfe aus CoCr Legierungen?
    Wie das natürliche Gelenk sind auch alle beim Gelenkersatz verwendeten Materialien (Keramik, Polyethylen und Metall) einem gewissen Abrieb unterworfen, so auch CoCr Komponenten. Die erwartete Abnutzung ist bei korrekter Implantation nur sehr gering.
  4. Wie lange halten Implantate mit CoCr Komponenten?
    Eine pauschale Aussage wie lange CoCr Hüftkomponenten halten, ist nicht möglich, da zahlreiche unterschiedliche CoCr Legierungen für viele Anwendungsgebiete und Produkte in der Orthopädie verwendet werden. Zudem besteht ein Hüftsystem aus mehreren verschiedenen Komponenten (Hüftkopf, Hüftschaft, Pfannenschale, Pfanneninlay), d.h. CoCr Komponenten werden mit anderen Materialien kombiniert. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass das Material nur ein Faktor ist, der zur Haltbarkeit einer Prothese beiträgt. Andere Faktoren sind u.a. das Implantatdesign, die Operationstechnik und patientenindividuelle Faktoren (Lebensstil, Grad der Aktivität, Geschlecht oder Knochenqualität).[v]Heutzutage eingesetzte CoCr Legierungen sind besonders hart, widerstandsfähig und abriebresistent. Untersuchungen zeigen, dass weit über 90% aller Hüftsysteme auch noch nach 10 Jahren nicht ausgetauscht werden müssen.iii,iv Geschätzte drei Viertel davon enthalten CoCr Komponenten. Das renommierte medizinische Fachmagazin „Lancet“ bezeichnet den Hüftgelenkersatz aufgrund seines großen Erfolgs als „Operation des Jahrhunderts“.[vi]
  5. Wie erklärt sich der extreme Abrieb eines CoCr Hüftkopfes, der jüngst in einem Stern TV Beitrag gezeigt wurde?
    In dem Beitrag wurde ein völlig zerstörter CoCr Hüftkopf gezeigt, dessen Schädigung vermeintlich auf einen Materialdefekt zurückgeführt wurde. Tatsächlich wurde die extreme Schädigung aber durch die Verwendung eines falschen Implantats verursacht.Uns ist bekannt, dass bei einem vorher bei dem Patienten implantierten System eine Keramik-komponente gebrochen war. Brüche von Keramiksystemen sind insgesamt sehr selten. Für den Wechsel des gebrochenen Implantats dürfen dann nur spezielle Keramiksysteme verwendet werden. Es ist wissenschaftlich belegt, dass nach einem Keramikbruch winzige Keramiksplitter im Gewebe verbleiben können, weshalb keinesfalls metallische Komponenten implantiert werden dürfen. [vii] Die Splitter können sich zwischen den Hüftkopf und die Hüftpfanne setzen und da sie viel härter als Metall sind, die metallischen Komponenten geradezu herunter schleifen. Ein solcher falscher Einsatz hat bei dem dargestellten Fall den Schaden verursacht. Leider wurde dies im Beitrag nicht erwähnt. Viele Patienten fühlten sich durch den Beitrag verunsichert und wandten sich mit Fragen an uns oder ihre Ärzte.
  6. Muss ich etwas beachten, wenn ich ein CoCr Hüftkopf habe?
    Es gibt keinen Unterschied bei der Nachkontrolle von Patienten mit CoCr Komponenten oder Implantaten aus einem anderen Material. In welchen Zeitabständen die normalen Kontroll-untersuchungen nach einer Gelenkimplantation erfolgen müssen, bestimmt der behandelnde Arzt.
  7. Gibt es Alternativen zu CoCr Hüftköpfen?
    Neben Metall wird für Hüftköpfe auch Keramik verwendet. Jedes Material bietet eigene Vor- und Nachteile, die bei der Auswahl der geeigneten Versorgung für jeden Patienten individuell vom behandelnden Arzt abgewogen werden.
  8. Was kann den frühzeitigen Wechsel eines Implantats verursachen?
    Gründe für einen frühzeitigen Wechsel können u.a. ein tiefer Wundinfekt, Ausrenkung, ein Knochenbruch in Implantatnähe, technisches Versagen und in seltenen Fällen ein Implantatbruch sein.[viii] Darüber hinaus spielen die korrekte Positionierung des Implantats im Knochen und patientenindividuelle Faktoren (z.B. Aktivitätslevel, Knochenqualität) eine große Rolle für den Operationserfolg.[ix]
  9. Wie erkenne ich, ob mit meinem künstliches Hüftgelenk alles in Ordnung ist?
    Nehmen Sie regelmäßig die von Ihrem Arzt angeordneten Kontrolluntersuchungen wahr. So kann der Arzt Ihre Fortschritte erkennen und eventuelle Komplikationen frühzeitig erkennen. Wenn Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen neu auftreten, empfiehlt sich das Gespräch mit Ihrem Arzt.
  10. An wen kann ich mich mit Fragen zu meinem Zimmer Hüftimplantat wenden?
    Sie können sich per Email (patienten.information@zimmer.com) oder telefonisch (dienstags und donnerstags von 10.00 – 12.00 Uhr unter der Rufnummer 0761/4584 472) an uns wenden.

[i] Endoprosthetics, Morscher E.W., Springer Verlag 1995
[ii] Zimmer Hochrechnung basierend auf Eucomed & BVMed Marktdaten
[iii] Ziegler J, Amlang M, Bottesi M,  Kirschner S, Witzleb WC, Gunther KP (2007) Results for endorpsthetic care in patients younger thatn 50yrs. Orthopädie 36:325-336
[iv] Eskelinen A, Remes V, Helenius I, Pulkkinen P, Nevalainen J, Paavolainen P (2005) Total hip arthroplasty for primary osteoarthritis in younger patients in the Finnish artroplasty register. 4,661 primary replacements followed for 0-22 yrs. Acta Orthop 76:28-41
[v] Int Orthop. 2008 October; 32(5): 597–604.Published online 2007 April 19. doi:  10.1007/s00264-007-0364-3
[vi]The Lancet, Volume 370, Issue 9597, Pages 1508 – 1519, 27 October 2007;
[vii] Kempf I et al. Massive Wear of a steel ball head by ceramic fragtments in the polyethylene acetabular cup after revision of a total hip prosthesis with fractured ceramic ball head. Acta Orthop Trauma Surg 1990;109:284–287
[viii] AE-Manual der Endoprothetik Hüfte und Hüftrevision, Springer 2012
[ix] Callanan MC, et al.: The John Charnley Award: risk factors for cup malpositioning: quality improvement through a joint registry at a tertiary hospital. Clin Orthop Relat Res 469(2):319-329.
 
 
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